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Katholischer Männerverein Pfeddersheim 1895

 

Mit Gründer und Vergangenheit treu verbunden

Von

Felix Zillien

 

Pfeddersheim. Die Mitglieder des "Katholischen Männervereins Pfeddersheim 1895" können nicht - wie ursprünglich geplant - in diesen Tagen das 125. Vereinsjubiläum feiern, weil das Corona-Virus dies nicht zulässt. Sie begnügen sich daher mit Gedanken an die Vergangenheit, schauen auf die Gegenwart und richten hoffnungsvoll den Blick auf die Zukunft.

 

Insbesondere gilt der Rückblick dem Begründer des Vereins, Pfarrer Adam Schreiber, der am 1. August 1887 auf die damals vakante Pfarrstelle in Pfeddersheim berufen und auch für die Filialstellen Leiselheim und Pfiffligheim zuständig wurde. Der "Kulturkampf" (1871 bis 1878 und 1887 diplomatisch beigelegt), unter dem die katholische Kirche sehr gelitten hat, hatte dazu geführt, dass die Pfarrstelle Pfeddersheim acht Jahre lang unbesetzt war. Für Pfarrer Schreiber bedeutete dies eine schwierige Aufgabe. Er war am 26. Juli 1849 in Osthofen geboren und am 10. August 1873 von Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler in Mainz zum Priester geweiht worden. Bereits als Student im Mainzer Priesterseminar trat Adam Schreiber als Mitglied in die Marianische Studentenkongregation ein, die damals von Kettelers Soziallehre und seiner Gegnerschaft gegen den Kulturkampf stark geprägt war. Während seiner Amtszeit in Pfeddersheim, die bis zum 12. April 1905 dauerte, galt Adam Schreiber vor allem als besonderer Förderer der katholischen Arbeiter- und Männerwelt, in der er eine wichtige Kraft gegen die Nachwirkungen des Kulturkampfes erblickte. Vor diesem Hintergrund gründete er im Oktober 1895 den katholischen Männerverein, der zunächst "Arbeiter- und Männerverein Pfeddersheim" hieß und der sich der Aufgabe verpflichtete, am kirchlichen und gottesdienstlichen Leben der Kirche rege teilzunehmen, das öffentliche Leben mit christlichem Geist zu durchdringen und sich der Pflege des christlichen Familienlebens sowie der christlichen Erziehung der Kinder zu widmen. Im Jahr 1900 gab es insgesamt 76 solcher Vereine im Bistum Mainz. Im Wandel der Zeit gibt es heute nur noch zwei dieser Männervereine: In Neu-Bamberg bei Bad Kreuznach und in Pfeddersheim.

 

Welche Bedeutung und Wertschätzung Pfarrer Adam Schreiber vonseiten der Bischöflichen Behörde beigemessen wurde, wird dadurch belegt, dass er ab 17. April 1905 an das Dompfarramt in Worms als Prälat und Propst berufen wurde. Hier erwarb er sich vor allem hohe Verdienste durch vielseitige Baumaßnahmen am und im Dom. So wurde der Dom im Innern vollständig ausgegraben und tiefer gelegt. Außerdem wurden die Monumente aus dem einstigen Kreuzgang an den Innenwänden angebracht, die Krypta unter dem Ostchor gebaut, die Beleuchtungsanlage installiert und die Kuppeln sowie Türme neu aufgetragen. Auch wurde mit dem Neubau der Taufkapelle begonnen.

 

In einem Zeitdokument unter dem Titel "Leben und Wirken des hochwürdigsten Herrn Prälaten Adam Schreiber" von dem damaligen Kaplan Wilhelm (Worms, St. Martin) heißt es: "Prälat Schreiber wirkte echt priesterlich und vorbildlich. Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Arbeitsamkeit waren ihm besonders eigen. Pünktlich war er beim Gottesdienst, pünktlich im Religionsunterricht, pünktlich in allen Versammlungen, treu und gewissenhaft in der Verwaltung des ihm anvertrauten Amtes als Pfarrer und Dekan von Worms. Sein Tagewerk war mit Gebet und Arbeit ausgefüllt."

 

Im Alter von 77 Jahren starb Adam Schreiber am 15. Dezember 1926 in Worms, wo er im nördlichen Querhaus des Doms seine Ruhestätte fand. Hier verehren ihn immer wieder die Mitglieder des katholischen Männervereins Pfeddersheim 1895.